KI-generiertes Symbolbild: Musikerin am MIDI-Keyboard im Heimstudio

Für eine einzelne Gesangsspur reicht meist ein Audiointerface mit XLR-Anschluss für ein Mikrofon und einem Mikrofonvorverstärker. Achten Sie außerdem auf passende Phantomspeisung und einen gut erreichbaren Kopfhörer-Lautstärkeregler. Beim Singen sollten Sie Ihre Stimme und die Begleitung ohne störende Verzögerung hören.

Das Audiointerface verbindet Mikrofon und Kopfhörer mit dem Computer. Es wandelt das Mikrofonsignal in ein digitales Signal um, das der Computer aufnehmen kann. Wie viele Eingänge und welche Funktionen zum Mithören Sie brauchen, hängt davon ab, ob Sie allein aufnehmen oder gleichzeitig weitere Mikrofone und Instrumente anschließen.

Eingänge passend wählen

Ein XLR-Mikrofon benötigt einen Mikrofoneingang mit Vorverstärker. Der Vorverstärker hebt das relativ leise Mikrofonsignal auf einen brauchbaren Aufnahmepegel an. Viele Interfaces verwenden Kombibuchsen mit einem XLR-Anschluss für Mikrofone und einer Klinkenbuchse für Line- oder Instrumentensignale. Ob die Klinkenbuchse Line- oder Instrumentensignale annimmt, hängt vom jeweiligen Eingang ab.

Ein Hi-Z-Eingang ist für eine direkt angeschlossene Gitarre oder einen Bass gedacht. Er ersetzt keinen XLR-Mikrofoneingang. Achten Sie deshalb darauf, dass das Interface zum geplanten Mikrofon passt und einen eigenen Gain-Regler für den Mikrofoneingang bietet. Mit dem Gain-Regler stellen Sie ein, wie stark der Vorverstärker das Mikrofonsignal anhebt.

Wenn Sie allein singen und die Spuren nacheinander aufnehmen, reicht gewöhnlich ein Mikrofoneingang. Zwei oder mehr Eingänge sind sinnvoll, wenn Sie Gesang und Gitarre gleichzeitig aufnehmen oder ein Duett live einspielen. Das gilt auch, wenn Sie mehrere Mikrofone verwenden. Jedes Signal, das separat in der Aufnahmesoftware landen soll, braucht einen passenden Eingang.

Phantomspeisung prüfen

Viele Kondensatormikrofone beziehen ihre Betriebsspannung über das Mikrofonkabel. Dafür braucht das Interface eine Phantomspeisung. Häufig beträgt sie 48 Volt. Entscheidend ist aber, welche Spannung das Mikrofon laut Hersteller benötigt. Manche Modelle haben eine eigene Stromversorgung oder benötigen eine andere externe Lösung.

Prüfen Sie vor dem Kauf, ob das Interface die erforderliche Spannung bereitstellt und ob sich die Phantomspeisung einzeln pro Eingang oder nur gemeinsam schalten lässt. Das ist wichtig, wenn Sie mehrere Mikrofone mit unterschiedlichen Anforderungen gleichzeitig anschließen.

Schalten Sie die Phantomspeisung nur ein, wenn das Mikrofon sie benötigt, und richten Sie sich nach dessen Anleitung; reduzieren Sie beim Ein- und Ausschalten sowie beim An- und Abstecken die Wiedergabe- und Monitorlautstärke. Standard-Phantomspeisung beschädigt ein korrekt angeschlossenes, symmetrisches dynamisches Mikrofon grundsätzlich nicht. Bei bestimmten Bändchenmikrofonen und unsymmetrisch beschalteten Geräten gelten jedoch besondere Vorsichtsregeln; prüfen Sie dafür die Herstellerangaben.

Kopfhörer richtig anschließen

Beim Einsingen hören Sie über Kopfhörer Ihre Stimme und die Begleitung. Schließen Sie den Kopfhörer direkt am Interface an und achten Sie auf einen gut erreichbaren Lautstärkeregler. Ein geschlossenes Kopfhörermodell hält den Schall der Begleitung leichter vom Gesangsmikrofon fern.

Prüfen Sie außerdem, ob die Kopfhörerbuchse zu Ihrem Stecker passt. Manche Kopfhörer haben einen 3,5-mm-Stecker, während Interfaces häufig eine 6,35-mm-Buchse nutzen. Ein passender Adapter löst das Anschlussproblem; ob der Kopfhörerausgang genug Leistung für Ihre Kopfhörer liefert, sollten Sie anhand der Angaben zum jeweiligen Interface prüfen.

Zwei Kopfhörerbuchsen bedeuten nicht automatisch, dass zwei Personen unterschiedliche Mischungen hören können. Manche Geräte geben an beiden Buchsen dasselbe Signal aus. Wenn Sängerin oder Sänger und Regie verschiedene Lautstärken oder Mischungen brauchen, muss das Interface ausdrücklich getrennte Kopfhörermixe und passende Ausgänge unterstützen.

Monitoring ohne Verzögerung

Direktes Monitoring leitet das Mikrofonsignal im Interface unmittelbar zum Kopfhörer. So hören Sie Ihre Stimme mit sehr geringer Verzögerung, während der Computer sie gleichzeitig aufnimmt. Ein Regler für das Verhältnis von Eingangssignal und Computer-Playback erleichtert es, Stimme und Playback passend zu mischen.

Beim Monitoring über die Aufnahmesoftware, eine digitale Audio-Workstation (DAW), hören Sie das Signal über den Computer zurück. Mit einer DAW nehmen Sie Audio auf und bearbeiten es. Dieser Weg ermöglicht es, beim Singen Effekte wie Hall aus der Software zu hören. Er kann aber eine hörbare Verzögerung erzeugen. Wie stark sie ausfällt, hängt unter anderem von der eingestellten Puffergröße und der Leistung des Computers ab.

Wenn Sie Direktmonitoring und die Rückführung derselben Spur aus der DAW gleichzeitig hören, klingt die Stimme oft doppelt oder zeitversetzt. Schalten Sie in diesem Fall die Software-Wiedergabe der gerade aufgenommenen Spur stumm. Wer Effekte beim Singen hören möchte, sollte prüfen, ob das Interface eine flexible Mischfunktion bietet und ob sich die Verzögerung in der eigenen DAW ausreichend niedrig einstellen lässt.

Pegel sauber einstellen

Eine gut sichtbare Pegelanzeige oder Übersteuerungsanzeige hilft, verzerrte Aufnahmen zu vermeiden. Stellen Sie den Gain so ein, dass auch die lauteste erwartete Gesangspassage nicht übersteuert. Ein hoher Reglerstand allein weist nicht auf einen Defekt hin: Wie viel Verstärkung nötig ist, hängt unter anderem vom Mikrofon, der Lautstärke der Stimme und dem Abstand zum Mikrofon ab.

Als Orientierung nennt Focusrite einen Spitzenpegel um −12 dBFS. dBFS ist eine digitale Pegelangabe, bei der 0 dBFS die obere Grenze des digitalen Signals markiert. Der genannte Wert lässt Reserve für lautere Stellen und ist kein Pflichtziel für jede Aufnahme. Entscheidend ist, dass die Spitzen nicht übersteuern und die Aufnahme ausreichend Pegel erhält.

Kauf nach Aufnahmeplan

Gleichen Sie vor dem Kauf Mikrofon, Kopfhörer und geplante Aufnahmesituation mit den technischen Angaben des Interfaces ab. Prüfen Sie dabei vor allem:

  • Eine Gesangsspur: Ein XLR-Mikrofoneingang, ein Kopfhörerausgang und direktes Monitoring reichen in der Regel.
  • Gesang und Instrument gleichzeitig: Achten Sie auf mindestens einen zusätzlichen passenden Eingang, etwa einen Hi-Z-Eingang für eine direkt angeschlossene Gitarre.
  • Mehrere Mikrofone oder ein Duett: Prüfen Sie die Zahl der gleichzeitig nutzbaren Mikrofoneingänge und, falls nötig, unabhängige Kopfhörermixe.
  • Kondensatormikrofon: Stellen Sie sicher, dass Spannung und Schaltweise der Phantomspeisung zum Mikrofon passen.
  • Softwareeffekte beim Einsingen: Prüfen Sie die Misch- und Routingfunktionen sowie die Kompatibilität mit Computer und DAW.

Richten Sie die Auswahl nicht allein nach Angaben zu Wandlern, Sample-Rate oder maximaler Verstärkung. Ohne vergleichbare Messbedingungen lassen sich damit die Geräte nicht zuverlässig nach ihrer Qualität vergleichen. Für Gesangsaufnahmen zählen zuerst die passenden Eingänge, ausreichend nutzbare Verstärkung und ein Monitoring, das zu Ihrer Arbeitsweise passt.

Studio & Recording entdecken

Vertiefe deine Auswahl mit der Kaufberatung in diesem Bereich. Sobald passende Partnerangebote vorliegen, erscheinen sie hier direkt im Artikel.

Zum Bereich ↗

Quellen