
Für Live-Auftritte sollte ein Gesangsmikrofon den Bühnenalltag aushalten und gut in der Hand liegen. Auch die Position der Bühnenmonitore sollte zum Mikrofon passen. Die Richtcharakteristik zeigt, aus welchen Richtungen das Mikrofon Schall aufnimmt. Sie bestimmt, wie viel von Ihrer Stimme und vom Bühnenschall das Mikrofon aufnimmt.
Ein dynamisches Handmikrofon mit Nierencharakteristik ist für viele Auftritte ein unkomplizierter Ausgangspunkt. Auch Klang und Handhabung müssen passen. Das Mikrofon allein verhindert keine Rückkopplungen: Dafür zählen ebenso Abstand, Ausrichtung, Lautstärke und Monitorposition.
Robustheit für den Bühnenalltag
Auf der Bühne wird ein Mikrofon häufig in die Hand genommen, in einen Ständer gesteckt und transportiert. Ein stabiles Gehäuse und ein widerstandsfähiger Korb schützen die empfindliche Kapsel, die den Schall aufnimmt. Eine interne Aufhängung hält die Kapsel im Gehäuse und kann Stöße und Griffgeräusche mindern.
Dynamische Handmikrofone gelten als robuste Wahl für Live-Auftritte und vertragen sehr lauten Schall, also hohe Schalldruckpegel; daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jedes Modell gleich langlebig ist. Achten Sie auf die konkrete Bauweise und behandeln Sie auch ein widerstandsfähiges Mikrofon sorgfältig. Herstellerangaben zu Materialien und Konstruktion beschreiben einzelne Merkmale, ersetzen aber keinen unabhängigen Haltbarkeitstest.
Robustheit und geringe Griffgeräusche sind außerdem zwei verschiedene Eigenschaften. Ein Mikrofon kann stabil gebaut sein und trotzdem Geräusche übertragen, wenn Sie es bewegen oder am Korb anfassen. Halten Sie es deshalb am Griff und nicht am Gitterkorb.
Die Richtcharakteristik wählen
Ein Mikrofon mit Nierencharakteristik nimmt Schall von vorn besonders empfindlich auf und unterdrückt ihn von hinten am stärksten. Das macht die Niere für viele Bühnenaufbauten leicht zu handhaben: Ein Bodenmonitor kann direkt hinter dem Mikrofon stehen, also auf der Seite mit der geringsten Empfindlichkeit.
Eine Superniere nimmt Schall stärker von vorn und weniger von den Seiten auf. Sie besitzt jedoch eine kleine rückwärtige Aufnahmezone. Deshalb sollte der Monitor seitlich versetzt stehen, statt direkt hinter dem Mikrofon. Die genaue Position hängt vom Modell ab. Prüfen Sie sie beim Soundcheck. Die stärkere Richtwirkung hilft nur, wenn Mikrofon und Monitor passend zueinander stehen.
Eine Kugelcharakteristik nimmt Schall aus mehreren Richtungen gleichmäßiger auf. Das kann für bestimmte Aufnahmesituationen sinnvoll sein, auf einer lauten Bühne gelangt dadurch aber auch mehr Schall von Monitoren und Umgebung ins Mikrofon. Wenn Sie Ihre Stimme im Bühnenmix gezielt hervorheben möchten, ist eine Niere oft der einfachere Startpunkt.
Abstand und Griff prüfen
Der Abstand zum Mund verändert Klang und Lautstärke. Singen Sie sehr nah am Mikrofon, wirkt die Stimme bei vielen gerichteten Mikrofonen bassreicher. Zugleich hebt sich das Signal stärker von anderen Bühnengeräuschen ab. Mit größerem Abstand klingt die Stimme oft weniger bassbetont, während mehr Raum- und Bühnenschall aufgenommen wird.
Probieren Sie beim Soundcheck unterschiedliche Abstände aus und hören Sie, wie sich Ihre Stimme verändert. Für das Shure SM58 nennt die Bedienungsanleitung weniger als 15 Zentimeter als mögliche Gesangsposition. Das ist ein modellspezifischer Richtwert, keine feste Regel für jedes Mikrofon. Ihre Stimme, Ihr Gesangsstil und die Lautsprecher bestimmen mit, welcher Abstand passt.
Decken Sie den Mikrofonkorb nicht mit der Hand ab. Das verändert die Aufnahme und kann die Richtwirkung beeinträchtigen. Wenn Griffbewegungen als dumpfe Geräusche hörbar sind, halten Sie das Mikrofon ruhiger und prüfen Sie, ob ein Modell mit wirksamer interner Aufhängung besser zu Ihrer Nutzung passt.
Rückkopplungen vermeiden
Eine Rückkopplung entsteht, wenn Schall aus einem Lautsprecher wieder ins Mikrofon gelangt, verstärkt wird und erneut aus dem Lautsprecher kommt. Ein gerichtetes Mikrofon ermöglicht höhere Lautstärken, bevor eine Rückkopplung entsteht, wenn es richtig ausgerichtet ist. Es verhindert Rückkopplungen jedoch nicht grundsätzlich.
Singen Sie möglichst nah am Mikrofon, damit Ihre Stimme im Verhältnis zu Monitoren und Bühnengeräuschen deutlich aufgenommen wird. Richten Sie das Mikrofon nicht auf einen Lautsprecher. Stimmen Sie außerdem die Monitorposition auf die Richtcharakteristik ab: Bei einer Niere steht der Monitor am besten hinter dem Mikrofon; bei einer Superniere seitlich versetzt. Die tatsächliche Position sollte beim Soundcheck an die Bühne angepasst werden.
Wenn es trotzdem pfeift, prüfen Sie zuerst die Aufstellung und Lautstärke. Ein anderes Mikrofon allein behebt die Ursache nicht. Auch die Raumakustik spielt eine Rolle. Ebenso wirken sich die Position der Lautsprecher und der Abstand zur Stimme auf Rückkopplungen aus.
Das Mikrofon selbst testen
Wenn Sie mehrere Modelle vergleichen, testen Sie sie mit Ihrer eigenen Stimme und in einer ähnlichen Haltung wie auf der Bühne. Achten Sie darauf, ob Sie den Griff bequem halten, den Abstand beim Singen gut kontrollieren und die Stimme im gewünschten Klang hören. Ein Mikrofon, das im Vorführraum gut klingt, muss sich im Bühnenmix nicht genauso verhalten.
Fragen Sie auch nach der Richtcharakteristik und vergleichen Sie den Klang bei unterschiedlichen Abständen. Wer sich viel bewegt, sollte besonders darauf achten, wie gleichmäßig sich Lautstärke und Klang beim Wechsel der Mikrofonposition verändern. Für den späteren Einsatz zählt das Zusammenspiel mit Ihrer Stimme, den Monitoren und den Lautsprechern mehr als ein einzelnes Merkmal auf dem Datenblatt.
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Zum Bereich ↗Quellen
- SM58 User Guide - Shure
- service.shure.com
- How to Choose the Right Microphone - Shure USA
- Microphone Techniques for Live Sound Reinforcement (English)
- What's the Difference Between the SM58 and the Beta58A? - Shure USA
- SM86 - Vocal Microphone - Shure USA
- e 835 Live Vocal Microphone | Sennheiser
- Holding the vocal microphone


